Es war im Jahr 1970, als die Gruppe Black Sabbath ihr gleichnamiges Debütalbum präsentierte und damit den Grundstein für einen Musikstil legte, der später als „Heavy Metal“ bekannt werden sollte. Vier Jahrzehnte danach sorgt der Sänger der vierköpfigen britischen Band noch immer für Schlagzeilen: John Michael „Ozzy“ Osbourne hat das Leben eines Rockstars in vollen Zügen ausgekostet. Auf Ruhm und Reichtum folgten Drogen- und Alkoholexzesse, und hätte sich nicht die Tochter seines ehemaligen Managers in hingebungsvoller Weise um ihn gekümmert, hätte Ozzy diese Zeit wohl kaum überlebt. Sharon wurde nicht nur seine Frau und die Mutter seiner drei Kinder Aimee, Kelly und Jack, sie initiierte auch sein Comeback. Mittlerweile wurde die vom Fernsehsender MTV ausgestrahlte Reality Show „The Osbournes“ von Millionen von Zuschauern verfolgt, eine Art Seifenoper über das oftmals zum Brüllen komische Familienleben des Stars. In jüngster Zeit nun hat der selbst ernannte „Prince of Darkness“ nicht nur sein neues Album „Scream“ herausgebracht, auch sein Buch „Ozzy: Die Autobiografie“ rangierte in den Bestsellerlisten. Wir trafen den exotischen 61-Jährigen in London.
Reader’s Digest: Nicht wenige Ihrer neuen Songs scheinen sich darum zu drehen, dass man das Leben so lange wie möglich genießen sollte…
Ozzy Osbourne: Ich denke, das liegt daran, dass ich älter werde (lacht). Also sehe ich zu, dass ich möglichst viel Spaß habe.
RD: Haben Sie das Gefühl, Ihnen läuft mit Ihren 61 Jahren die Zeit davon?
Ozzy: Das nicht, doch ich weiß, dass dieses Gefühl sich irgendwann einstellen wird. Aber derzeit mag ich es einfach, im Moment zu leben.
RD: Sie haben ein ziemlich ereignisreiches Leben gelebt. Zumindest, wenn man Ihrer unlängst erschienenen Biografie glaubt …
Ozzy: (kichert) Was da drin steht, ist nur ein kleiner Teil vom großen Ganzen. Ich könnte ein komplettes Buch über meine ersten zehn Lebensjahre schreiben und dann noch eines über die nächsten zehn …
RD: Also gibt es viele Anekdoten, die nicht den Weg ins Buch gefunden haben?
Ozzy: Eine ganze Menge – genug für das nächste Buch … „Ich bin noch immer Ozzy“ (grinst)
RD: Das dann anschließend verfilmt wird?
Ozzy: Oh ja! Die Leute sagen mir ständig: „Ich habe gehört, Johnny Depp wird die Hauptrolle übernehmen.“ Mir wäre allerdings Denzel Washington lieber. (kichert)
RD: Wobei Ihre Tochter Kelly die Rolle Ihrer Ehefrau Sharon spielen würde?
Ozzy: Ja, das wäre eine tolle Idee! Kelly sieht in letzter Zeit wirklich klasse aus.
RD: Haben Sie Johnny Depp schon gefragt, ob er Zeit hätte?
Ozzy: Sharon hat das gemacht. Ich habe ihn bisher zweimal getroffen. Er ist ein sehr netter Typ. Wissen Sie, er hat auch als Musiker angefangen. Er ist ein netter Typ, ein toller Schauspieler. Aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass er einen richtigen Birmingham-Dialekt hinbekommt.
RD: Demnach ist der Film das nächste Großprojekt?
Ozzy: Oh ja. Aber ich habe damit nichts zu tun. Sharon kümmert sich um alles, und ich werde nicht einmal im Film auftauchen. Obwohl ich nichts gegen einen kleinen Gastauftritt hätte.
RD: Sie sind mittlerweile zum Bestseller-Autor geworden. Und Sie haben gerade eine Lesereise durch die USA hinter sich, bei der Sie Ihr Buch signiert haben…
Ozzy: Eine fantastische Sache. Früher habe ich das mit meinen neu erschienenen Platten gemacht, aber Plattengeschäfte gibt es ja nicht mehr. Trotzdem, es war immer ein große Spaß.
RD: Was Ihr Buch angeht: Da stehen ziemlich unglaubliche Sachen drin. Das Roger-Whittaker-Missgeschick, als Sie das Badezimmer des britischen Sängers benutzt haben und es kein Toilettenapier gab – aber Vorhänge … Ist das wirklich so passiert?
Ozzy: Ja, ja. (kichert) Sie müssen wissen, Sharon und ich hatten darüber nachgedacht, sein Haus zu kaufen, es hatte ein eigenes Aufnahmestudio.
RD: Aber Sie haben es letztendlich nicht gekauft, stimmt’s?
Ozzy: Nein, es stank dort … (kichert)
RD: Ich habe gehört, dass Sie endlich Ihre Führerscheinprüfung bestanden haben? Stimmt das?
Ozzy: Oh ja. Es mag nur keiner bei mir mitfahren. Ich hatte mir eigentlich einen Audi, ein super sportliches Auto kaufen wollen. Einen Zweisitzer, den durfte ich eine Woche lang testen. Ein wirklich schnelles, spritziges Auto. Und als ich so damit fuhr, dachte ich: Bin ich denn komplett bescheuert? Ich bin 61. In meinem Alter werde ich damit doch keine jungen Dinger mehr beeindrucken. Die werden sich denken: „Oh, da kommt dieser Durchgeknallte.“
RD: Die Gerüchteküche sagt, dass Sie 19 Mal durch die Führerscheinprüfung gefallen sind. Ist das wahr?
Ozzy: Oh ja. Ich war immer betrunken oder zugedröhnt oder sonst irgendetwas. An eine der Prüfungen erinnere ich mich noch. Ich war vorher zum Arzt gegangen und hatte gesagt: „Herr Doktor, ich muss zu dieser Prüfung, aber ich bin so aufgeregt.“ Er sagte: „Nehmen Sie einfach zwei von diesen Pillen.“ Also habe ich acht oder so geschluckt. Dann bin ich mitten in einer Kurve ohnmächtig geworden. Als ich wieder zu mir kam, stand die Tür offen – und der Fahrlehrer war nicht mehr da. Er hatte einen Zettel da gelassen, auf dem stand: „Herr Osbourne, Sie haben die Prüfung nicht bestanden, und ich empfehle Ihnen dringend, mit diesem Fahrzeug nicht mehr weiterzufahren.“
RD: Also wer traut sich jetzt, zu Ihnen ins Auto zu steigen?
Ozzy: Na, Sharon auf jeden Fall nicht. Aber ich fahre sowieso nicht sehr weit.